Mein erster Eindruck von Rousseau war eigentlich sehr flüchtig. Ich hatte zunächst das Bild eines alten Mannes vor mir, der in seiner Freizeit gemalt hat und vermutlich viel in der freien Natur spazieren gegangen war.

Doch dann habe ich mich später genauer mit seiner Malerei und damit mit ihm als Person beschäftigt, und siehe da, mein Bild hat sich sehr gewandelt. Natürlich sind die bekannten Daten unbestritten. Rousseau wurde im Jahr 1844 als eines von vier Kindern eines Klempners im bretonischen Örtchen Laval geboren. Er lebte stets in bescheidenen Verhältnissen und ging zunächst zum Militärdienst, wurde aber vorzeitig entlassen, als sein Vater starb. Rousseau lebte dann in Paris als Angestellter eines Gerichtsvollziehers und später als Zoll- Angestellter, was ihm den Spitznamen "der Zöllner" einbrachte. Er war zunächst mit der Schneiderin Clémence Boitard verheiratet, sie gebar ihm neun Kinder, jedoch überlebte letztendlich nur seine Tochter Julia. Im Jahr 1899 heiratete er erneut, und zwar die Witwe Joséphine-Rosalie Tensorer. Sie hatte eine kleine Schreibwarenhandlung und starb bereits im Jahr 1903.

Henri Rousseau war sicherlich ein kreativer Mann, bereits in der Schule wurden seine Leistungen im Bereich des Zeichnens hervorgehoben (Quelle: Marina Schneede- Henri Rousseau), auch ist seine Musikalität bekannt, er spielte Geige und sang mit großer Leidenschaft. Ich hatte auch mehrfach gelesen, dass Rousseau in seiner Zeit Bekanntschaften mit Malern wie Pissaro und sicherlich weiteren Vertretern des "Salon des Indépendants" hatte. Erstaunt hat mich zunächst jedoch die Tatsache, dass er wohl intensive Kontakte zu Künstlern und auch Schriftstellern und Literaten pflegte, hier ist insb. der Literat Alfred Jarry zu nennen. Was verband die beiden so unterschiedlichen Männer, auf der einen Seite der ältere Maler, der sich als Autodidakt relativ spät der Malerei hingab, auf der anderen Seite ein junger und brillanter Autor, dessen Leidenschaft das Schreiben war, der Theaterstücke schuf.

 

Henri Rousseau: Der schmale Weg

entstanden 1905, Grösse: 22 x 28 cm

Vermutlich war es genau dieser Unterschied, der Rousseau für die Künstler seiner Zeit so interessant machte. Für mich sind es jedoch die Bilder selbst, die mein Interesse für seine Person geweckt haben. Als erstes fällt die Malweise auf, z.B. sind die Blätter und Grashalme stets flächig gemalt, mit großer Sorgfalt. Die Portraits sind ebenfalls in "naiver Weise" gefertigt, liebevoll und durchaus in leichten Farbabstufungen. Aber das ist nur der erste Blick. Schaut man sich die Bilder länger an, sieht man eine harmonische Farbgestaltung, oft in Naturtönen, gerne mit kräftigen Akzenten. Zunächst erscheinen die menschlichen Figuren in den Bildern manchmal etwas verloren, später fügen sie sich ein und werden von der Natur eingerahmt. Die Natur sieht immer irgendwie aufgeräumt auf, auch wenn die Bilder üppiger ausgestaltet sind. Hier muss sich wohl jeder selbst seine Gedanken machen, aber ich finde die Bilder von Rousseau faszinierend und ausgewogen.

Henri Rousseau: Die Freiheit lädt die Künstler...

entstanden 1906, Grösse: 175 x 118 cm

 

 

Und irgendwie muß ich dann an das Bauwerk von Monsieur Ferdinand Cheval denken, der sich in aller Stille seinen Lebenstraum erfüllt hat und in Hauterives (Département Drôme) sein "Palais Idéal" gebaut hat. Ich hatte die Möglichkeit, im Palais bei einem Besuch die vielfältigen Figuren zu bestaunen, warum ich jedoch eine Parallele zu den Bildern von Rousseau sehe, kann ich nicht wirklich erklären. Vielleicht ist es die Leidenschaft in ihrem Schaffen, die ich bei beiden Männern in ihren Werken erkenne, das Erschaffen als Tätigkeit an sich.

H. Aubel 02-2011

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