Der Maler Edgar Degas wird am 19. Juli 1834 in Paris in der Rue Saint-Georges geboren, sein Vater Auguste De Gas ist Bankier einer im Familienbesitz befindlichen Bank, die Mutter starb schon sehr früh im Jahr 1847, Edgar war 13 Jahre alt.

Während seines von 1845 bis 1853 dauernden Besuchs der Lycée Louis-le-Grand wird Degas als guter Zeichner bekannt, danach beginnt er zunächst ein Jurastudium, bricht dies aber ab, um Maler zu werden, er wird sowohl durch Fürst Grégoire Soutzo als auch durch den Vater gefördert. Hier ist Degas vielen seiner Malerkollegen durch seine finanzielle Unabhängigkeit von seiten seiner Familie voraus und kann seine Ausbildung im Atelier von Félix J. Barrias beginnen, anschließend erhält er eine weitere solide Ausbildung bei Louis Lamothe.

1855 lernt er Ingres kennen und erhält den Rat: „Ziehen Sie Linien..., viele Linien, sei es aus dem Gedächtnis oder der Natur“ (Zitat aus dem Buch: Edgar Degas von Bernd Growe). Er beginnt, Skizzenbücher zu füllen und reist 1856 nach Italien. Er richtet sich beim Großvater und der Familie in Neapel ein, erkundet in Neapel die dortige Kultur durch Besuche in der Oper und dem Studium alter Meister, außerdem zeichnet er Portraits.

Er malt seinen gestrengen Großvater 1857 (Hilaire de Gas, Öl auf Leinwand, Musée d´Orsay), reist im nächsten Jahr nach Rom weiter, trifft dort eine Reihe Bekannte und schließt neue Freundschaften um George Bizet und Gustave Moreau. Außerdem arbeitete er in der Villa Medici, dem Sitz der Académie Francaise, besucht u.a. viele Galerien und zeichnet viele Skizzen. 1858 erfolgt die Weiterreise nach Florenz, Degas konzentriert sich auf Figuren und deren Bewegungen und Ausdrucksformen. Er arbeitet als Kopist der alten Meister und erstellt sehr viele Reproduktionen, um zu lernen und auch, um die Stimmung einzufangen. In Florenz wohnt er u.a. bei Baron Belleli und dessen Frau, einer italienischen Tante, fertigt zahlreiche Zeichnungen der Familie an und malt nach seiner Rückreise 1859 das Bildnis „die Familie Belleli“. Über dieses Bild ist schon vieles geschrieben worden, es zeigt aber auch sehr deutlich die Beziehung der Eheleute und der Familienmitglieder zueinander, wobei die Stellung der Mutter als Stütze des Familienlebens und zugleich die Distanz zum Vater bzw. Ehemann zu sehen ist.

Sein 1863 entstandenes Selbstbildnis zeigt einen selbstbewussten jungen Mann, der sich durchaus seines Könnens und auch seines künftigen Werdens sicher scheint. Bereits in dieser Zeit entstehen Bilder, die Personen in ihrem Wesen zeigt und nicht nur abbildet. Hier zeigt sich ein durchaus anderer Degas als der, den alle Welt mit den Theaterbildern zu kennen scheint.

Und allen Bildern gehen zahlreiche Zeichnung und Studien voraus, es ist charakteristisch für ihn, die Bilder regelrecht zu konstruieren; er malt jedoch eine historische Umgebung für seine Menschendarstellung, daher empfindet so mancher die Figuren etwas „deplaziert“, man spürt die Suche und erst als die Figur und die Pose wieder in den Mittelpunkt der Darstellung rückt, kommt man Degas wieder näher. Mir selbst gefällt das Bild „Portraits dans un bureau (Nouvelle- Orléans)“ - Musée des Beau-Arts in Pau von 1873 besonders gut, es zeigt die verschiedenen Posen von Personen vereinzelt und doch perfekt kombiniert, ohne daß jede einzelne Person an Gewicht verliert. Dieses Bild hat seinen Ursprung in

Degadegas_baumwollbueros Reise nach New Orleans.

Nach dieser Reise ist es ein Glücksfall für Degas, daß er in Paris Manet kennenlernt und von diesem in den Künstlerkreis des Café Guerbois eingeführt wird. Hier findet er eine neue Gedankenwelt und schöpft aus den Diskussionen und Ideen, er nimmt sich den Personendarstellungen der damaligen Gegenwart an. Hier entwickelt er bei seinen Betrachtungen eine durchaus poetische Betrachtungsweise und diese wird durch das „Einfangen“ von Momenten insb. der Theater- und Opernwelt noch verstärkt.

So entwickelt er das Sujet der Tänzerinnen und des Pferderennsports zu einer Perfektion, die wir alle an ihm kennen, ohne die Schönheit und die Empfindungen der einzelnen Momente zu verlieren. Finanziell in den frühen Jahren durch die Familie abgesichert, hatte sich Degas eine gewisse Kompromisslosigkeit im Privaten und in der Kunst angeeignet, deshalb war es sicherlich nicht immer ganz einfach, mit ihm auszukommen.

Insgesamt hat er eine große Fülle an künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten entwickelt und diesen ging häufig eine enorme Anzahl experimenteller Arbeiten voraus. Es gäbe sicherlich noch viel von Degas zu erzählen, aber das würde diesen Rahmen sprengen.

Heidemarie Aubel - 09´2010

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