Pointillismus bedeutet: Optische Farbmischung

Eine Gruppe von Malern im 19. Jahrhundert, die Pointillisten, setzte die Leuchtkraft der Komplementärfarben auf eine gänzlich neue Weise ein. Sie wollten Farben schaffen, die die Brillanz des Lichts einfangen. Dazu malten sie in kleinen regelmäßigen Abständen Punkt neben Punkt (französisch point, daher der Name dieser Künstler). Nebeneinander liegende Punkte malten sie oft in Komplementärfarben. Aus einiger Entfernung betrachtet, verschmelzen die Punkte im Auge des Betrachters. Dabei entsteht eine neue Farbe, die oft strahlender und lebhafter ist als die entsprechende Farbe, die durch Mischen auf der Palette entsteht. Diese Erfindung der Pointillisten nennt man optische Farbmischung.

Typisch für diesen Stil ist weiterhin der streng geometrisch durchkomponierte, oft ornamental wirkende Bildaufbau. Diesen Ansatz, von der Gesamtkomposition des Bildes über die geometrischen Beziehungen, den Bildaufbau, die Beziehungen von Licht und Gegenständen, hinunter zu den Einzelelementen zu gelangen, bezeichneten Seurat und Signac als Divisionismus.Streng genommen sind Divisionismus und Pointillismus nicht dasselbe; der Pointillismus ist vielmehr eine Methode innerhalb des Divisionismus. Trotzdem werden heutzutage beide Begriffe oft synonym verwendet.

Théo Van Rysselberghe, The au jardin. Bruxelles, Musée Communal des Beaux-Arts d'Ixelles

Farbkontrast
Der stärkste Farbkontrast überhaupt ist der aus Lila und Gelb. Hier fällt der größte Hell- Dunkel- Kontrast mit einem extremen Buntheitskontrast zusammen. Die Farbkombination wird oft als sehr auffällig, großflächig eingesetzt auch als schrill empfunden.

In der Malweise der Pointillisten entsteht eine "flirrende" Bildstruktur, bei der Farben und Formen über der Fläche zu schweben scheinen. Wenn Sie dieses Bild genau studieren, werden Sie bemerken, daß es keine wirklich dunklen Partien - und erst recht kein Schwarz - gibt. Statt dessen arbeitet der Künstler die Plastizität der Formen heraus, indem er warme und kühle Farben gegeneinandersetzt: Blaue und violette Töne in den Schatten und warme Gelb- und Orangetöne, wo Licht auf die Gestalt fällt. Auf dem Strohhut leuchten Tupfer von komplemetären Farbpaaren: Blau und Orange sowie Gelb und Violett.

Heidemarie Aubel